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Geologie

Der Rosenheimer Seeton führt zum Ausschluss von Varianten

Besondere Bodenverhältnisse in der Region

Der optimale Verlauf einer neuen Bahnstrecke hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von den geologischen Verhältnissen vor Ort. Der Boden im Zentralbereich des Rosenheimer Beckens (Raum Kolbermoor, Raubling) besteht aus Seeton. Ausführliche Studien und Berechnungen zu technischen Lösungen konnten die Gebrauchstauglichkeit für Strecken in diesem Bereich nicht nachweisen. Daraus folgt, dass die westlich an Rosenheim vorbeiführenden Varianten technisch nicht machbar sind. Für die Studien haben wir externe Fachleute, unter anderem des Eisenbahn-Bundesamts, herangezogen.

Was ist der Rosenheimer Seeton?

Die Bodenbeschaffenheit rund um Rosenheim ist sehr unterschiedlich. Besonders herausfordernd ist der Seeton. Dieser ist nach dem Abschmelzen des Inn-Gletschers vor etwa 10.000 Jahren, nach der letzten Eiszeit, entstanden. In dem ausgeschürften Becken des Inn-Gletschers bildete sich ein See Darin kam es zu feinkörnigen Ablagerungen – dem Seeton. Rund um Rosenheim kommt der Seeton in unterschiedlichen Ausprägungen und Beschaffenheiten vor. Bei Bauarbeiten kommt es an einigen Stellen immer wieder zu Schwierigkeiten – an anderen dagegen nicht. Um ein klares Bild zu erhalten, haben wir frühzeitig geologische Untersuchungen gestartet. Durch Bohrungen im Seetonuntergrund konnten wir Proben fördern. Diese wurden in einem speziellen Labor untersucht.

Was ergaben die Untersuchungen zur baulichen Machbarkeit?

Unsere Geolog:innen tauschten sich intensiv mit erfahrenen Fachleuten aus. Dabei haben wir auf Erfahrungen in anderen Projekten zurückgegriffen – etwa dem Bau einer Straßenbrücke. So konnten wir die technische Machbarkeit für den Bau einer Bahnstrecke klären. Die für die Untersuchung erforderlichen Daten stammen unter anderem aus Oberflächenkartierungen sowie Torf- und Kiesabbau. Zumdem haben wir eigene Erkundungen durchgeführt. Dazu gehörten Bohrungen und geophysikalische Messungen.

Die Untersuchungen zeigen, dass die östlichen Trassenvarianten (Violett und Blau) nur kurz in den Filzen, also feuchten und schwammigen Böden, verlaufen. Die westlichen Trassenvarianten (Gelb, Oliv, Türkis) würden diese kritischen Bereiche über längere Strecken queren. Filze stellen einen besonders ungünstigen Baugrund dar. Auch in Bezug auf das Grundwasser sind Filze sehr sensible Böden.

Die geotechnischen Eigenschaften des Seetons sind entlang der Westtrassen generell als schlechter einzustufen. Sie liegen geologisch in zentraler Beckenlage und weisen größere Mächtigkeiten auf.

Erfahrener Experte begleitete die geotechnischen Berechnungen

Die Untersuchungen erfolgten durch Expert:innen der Ingenieurgemeinschaft IPBN. Hierfür führten sie geotechnische Modellierungen durch. Darauf aufbauend erfolgten geotechnische Berechnungen von Bauwerken. Ziel war eine fachlich begründete Einschätzung hinsichtlich absehbarer Risiken sowie einer generellen Machbarkeit der Trassenabschnitte im Zentralbereich des Rosenheimer Beckens.

Aufgrund der geologisch sensiblen und geotechnisch anspruchsvollen Baugrundverhältnisse wurden die Untersuchungen bereits in dieser frühen Planungsphase von Univ.‑Prof. Dr.‑Ing. Conrad Boley begleitet und geprüft. Prof. Boley ist unter anderem benannter Prüfsachverständiger des Eisenbahn-Bundesamtes für Geotechnik. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen hinsichtlich geotechnischer Beurteilungen von Böden mit Weichschichten.

Die Ergebnisse der geotechnischen Berechnung für Bauwerke der Trassenabschnitte auf Seeton im Zentralbereich des Rosenheimer Beckens wurden von Prof. Boley bestätigt.

Weitere Erkundungen in der Vorplanung

In der nun anstehenden Vorplanung benötigen wir vertiefte Informationen über die Baugrundverhältnisse entlang der Auswahltrasse. Dort werden wir voraussichtlich ab Herbst ein Erkundungsprogramm mit Bohrungen und geophysikalischen Messungen durchführen. Für private Grundstückseigentümer:innen soll es möglichst wenige Einschränkungen geben. Deshalb nutzen wir für unsere Erkundungen bevorzugt öffentlichen Grund oder Flächen der Bahn. Mit den Ergebnissen entsteht ein Bild des Bodenaufbaus rund um Rosenheim. Das Baugrundmodell dient als Grundlage für die weitere Planung der Neubaustrecke.

Geophon, DB Netz AG
Bohrung auf dem Hocheck, DB Netz AG

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